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Erinnerungen von Franz Schwaiger

Erinnerungen von Franz Schwaiger, Jahrgang 1921, über die bewegte Geschichte in und um das Schwaiger-Anwesen.

Glonn, den 13.07.02

Mein älterer Bruder hieß Franz Schwaiger, geb. 21.10.1920, gest. 23.10.1920.
Ihm wurde bei der Geburt die Hirnschale von Dr. Kreutzer Sen. eingedrückt.

Sein Nachfolger Franz Schwaiger (also ich) geb. 14.10.21 ist in der Backstube groß geworden und mit allen Gattungen von Viechern aufgewachsen:

Pferde – Kühe – Schweine – Hühner – Gänse – Enten – Schafe – Kaninchen – Hund – Katze – weiße Mäuse – Meerschweinchen – Forellen - usw.

Über den Kupferbach war eine Brücke, daneben eine Furt.
Im Bach waren immer Forellen, Doin und Protzen.
Wunderbar für Buben.

Mit 5 ½ Jahr  in die Schule (viel zu Früh). Zeugnisse Mittelklasse.

Als Schüler war im Sommer Kühe hüten angesagt (Lagerfeuer und Kartoffel braten). Viele junge Forellen waren auch in unserem Bach da. Thea, Resl und ich haben mit dem Laufwagerl Brot ausgefahren.
Das war eine schöne Sache.

Am Montag Richtung Netterndorf, am Dienstag Richtung Frauenreuth – Unterlaus,
am Mittwoch Richtung Münster, am Donnerstag Richtung Kastenseeon,
am Freitag Richtung Adling – Niederseeon, am Samstag Richtung Bruck usw.

Der Umsatz betrug ca. 10.- Reichsmark pro Tag in bar, und ca. 8.- Reichsmark wurden ins Schuldenbücherl eingetragen und erst an Neujahr bezahlt.
Das Pferdl kannte genau seine Häuser, wo es stehen bleiben musste.

Um ca. 15 Uhr sind sie nach Hause gekommen. Dann wurde das Pferd umgespannt und es wurde mit dem sog. Bahnwagerl ( das war gefedert ) auch die Ware vom Bahnhof aus ausgefahren, die um 14°° Uhr mit dem Zug eingetroffen war.

Es handelte sich dabei z.B. um Glaskisten für die Glaserei Bitzer, Bleche für die Spenglerei Strauß, Zucker und Lebensmittel für die Kolonialwarengeschäfte usw.

Diese Waren mußten sofort bei Übernahme am Bahnhof bezahlt werden und sie sind zum Teil erst mit erheblicher Verspätung an uns bezahlt worden.

1928 kam mit der Bahn ein großer Möbelwagen an, der für Schloß Zinneberg bestimmt war. Der Berg zum Schloß hatte damals 18 % Steigung. Man versuchte es mit 4 Pferden, es ging nicht. Man versuchte es mit weiteren 2 Pferden, die aber waren nicht wie die unseren an schwere Lasten gewöhnt, und haben auch nicht mit Ihnen „zusammengezogen“. Unsere lehnten sich zuerst ins Zeug, gingen dadurch mit dem Körper etwas tiefer und gingen dann erst weg. Diejenigen die schwere Lasten nicht gewöhnt waren, versuchten gleich wegzugehen, wenn das nicht sofort ging, kamen sie nur noch ins Springen und nichts ging mehr.
Wir holten darauf 6 Ochsen aus dem Piusheim und es klappte.

Ochsen können ihr Gewicht weiter unten ansetzen und machen kleinere Schritte. So wurden auch 200 Zentner schwere Maschinen (Turbinen, Mühlen usw.) über Mattenhofen nach Piusheim gebracht (über die damals sehr steile „Kranner-Gaß“). Der Feldweg über Haslach (mooriger Untergrund) war nicht für schwere Lasten geeignet.

Mein Vater hatte im Krieg von einem Unterstand einen Balken auf den Kopf bekommen. Zum Glück war sein Spezi und Nachbar Prof. Max Lebsche (später Leiter der Uniklinik und dann Besitzer der Maria-Theresia Klinik in München) ganz in der Nähe.

In der Weihnachtsnacht 1928 hatte der Ganser Opa neben dem Stadl vom Nachbarhof Öggl in unserem Hof seine 2 Schweine gefüttert. Eine Sau hatte die Karbidlampe umgeschmissen und entzündete so das Stroh neben dem Stadl. Es gab eine kirchturmhohe Stichflamme. Das Haus und der Kuhstall vom Öggl und unser Anwesen waren in höchster Gefahr. Durch das Sturmleuten von der nahen Kirche kamen sofort viele Helfer, die meisten aus der Christmette. Um den brennenden Stadel wurden Ketten gelegt, die bei uns immer in großer Zahl vorhanden waren und die Menschenmenge mit Unterstützung von 2 Pferden haben den Stadel umgezogen.

Es war gar nicht einfach, die Pferde so weit weg anzuhängen, daß sie nicht vor der aufgeregten Menschenmenge und vor dem Feuer scheuten.
Der Pfarrer war allein in der Kirche.

Mit 13 ½ Jahren kam ich aus der Schule.
Die nächsten 1 ½ Jahre hatte ich ein Paar Pferde und ersetzte einen Fuhrknecht.
Im Wald von Niederseeon wurde Langholz geschnitten.
Als Bub war ich perfekt im aufgantern von 18 Meter langen Bäumen.

Aber einmal ging es daneben. Ich hatte die fünf Stämme geladen, den hinteren Teil des Langholzfuhrwerks geroadelt, die Pferde in den vorderen Wagen gespannt. Ein Knall !! Die Pferde sind erschrocken und haben den vorderen Wagen herausgezogen. Durch den Aufprall der Stämme auf das Reibscheit ist die Zugdeichsel in die Höhe geschnallt und die Pferde sind darauf hin durchgegangen und ins Moor galoppiert. Alles Beten half nichts, die Pferde waren im Sumpf.... Förster Link, der Brötchengeber (und Schütze) war wie vom Erdboden verschwunden.


Ich versuchte die Pferde zu befreien, aber es war aussichtslos.

Auf dem Fußweg nach Glonn, benachrichtigte ich Adlinger Bauern von diesem Unglück. Sie waren bereits vor Ort, als ich mit meinem Vater und zwei Pferden an der Unglücksstelle eintraf. Um die Pferde nicht zu verletzen, wurden Decken um die Ketten unterm Bauch gewickelt und die Pferde so aus dem Sumpf gezogen. Die Pferde wurden Stunden mit Stroh abgerieben, um den Kreislauf wieder in Gang zu bringen, da die Tiere sehr ausgekühlt waren (Ende November).
Förster Link würde heute seinen Job als Forstmeister verlieren.

Mit 14 ging ich in die Lehre nach München.

Unter 76 Bewerbern bekam ich die Lehrstelle, weil ich schon fast ein Gehilfe war.

Um 3 Uhr aufstehen war normal. 6 Tage Arbeit. Sonntag Ofen heizen und 5 Stunden Brot ausfahren.

Vom Ostbahnhof, Pütrichstraße, mit einem Bäckerfahrrad (hinten und vorne ein Korb) bis zur Saarkaserne Oberwiesenfeld (heute Oberschleißheim) wurden die Semmeln ausgeliefert.

Einmal habe ich bei Glatteis umgeschmissen und die runden Semmeln sind in der Trambahnschiene über den Rosenheimer Berg bis zur Ludwigsbrücke gerollt. Die Straßenbahn hat so lange gestoppt, bis die Gleise wieder frei waren. Die Fahrgäste der Tram haben beim einsammeln der Semmeln geholfen. Aber ein Teil ist in den Wasserrinnen am Müllerschen Volksbad verschwunden.

Ca. 1935 erstes Lehrjahr  1 Reichsmark im Monat
               Zweites Jahr     2 Reichsmark im Monat
               Drittes Jahr      3 Reichsmark im Monat

Ein Jahr Konditorgehilfe in Schliersee. Hatten ein Kiosk Häusl am Bahnübergang, 25.-- Reichsmark Lohn im Monat, davon BMW 200 camp, 9 PS, Stahlrahmen, gebraucht gekauft, Kolben kaputt, Schreyer Richard hat bei Fa. Brunner aus Vollmaterial Kolben gefertigt.

War zu genau, hat sich gefressen, wenn er warm wurde.

Beim Hochwasser ca. 1940 wurde die Straße zwischen „Schmied Hans“ und „Utz“ (Furtmüllerweg u. Feldkirchener Str.) einen Meter tief weggeschwemmt. Ich habe damals ein Mädchen (meine spätere Frau) auf den Schultern durch die „Fluten“ getragen. In diesem Straßenloch befanden sich Karpfen vom Spielberger Weiher. Der Damm war gebrochen und das Wasser war mit einem Schlag in Glonn. Es lief hinter der Wiesmühle links, bis zur heutigen evangelischen Kirche, über die Egert Richtung Bortenlänger, schoß über den Bach drüber, in den Furtmüllerweg. Das Wasser nahm dabei unseren Schuppen samt Brennholz mit nach Haslach.

1940 als Soldat nach Landsberg in die Kraftfahrabteilung eingezogen. Im Krieg wurde ich nahe St. Petersburg (Leningrad) eingesetzt. Anschließend zur Ersatzeinheit nach Boeringbro in Dänemark. Ich kam dann 1944 nach Frankreich und dann in die Gefangenschaft bei München.

Nach dem Krieg organisierte ich den Bau der „Zinneberger Fabrik“.

Es sollte eine Kartonagen Fabrik werden, da genügend Holz – Rohmaterial bei uns zur Verfügung war. Der Standort wurde wegen dem dort möglichen Gleisanschluß gewählt. Das Gebäude konnte nicht fertiggestellt werden, wegen der Ausgleichszahlung, die jeder bezahlen mußte. Teilweise wurde das Gebäude von der Firma I.M. Lutz zur Herstellung von Bohnerwachs, Stiefelwichse, Schuhcreme genutzt.

Besitzer des königlichen Hoflieferanten für Stiefelwichse war Herr Hans Brunner. Später wurde das Gebäude von der Firma Fiat als Lager für ca. 200 Autos genützt, die in Kirchseeon fertiggestellt wurden. Heute ist dort die Firma „Glonntaler Fleisch- und Wurstwaren“ – ca. 70 Arbeitsplätze.

Der Schwaiger Hof war immer schon ein Umschlagplatz für alle Arten von Waren. Wir waren ja eine Kolonialwarenhandlung mit Bäckerei und Konditorei.
Während des Krieges wurden 500 Badewannen und Fittings, WCs und Waschbecken, ect. von der Firma Kustermann z.B. bei uns eingelagert. Auch die Firma Gruber – heute Stahlgruber – lagerte Waren bei uns ein.

Über das Leben beim Schwaiger entstand auch ein Buch unseres ehemaligen Knechtes und anschließenden Heimatschriftstellers Hans Ernst "Die Hand am Pflug"